Wo können wir tanzen?

Das Studio K77 zu „AMALGAM SoloFest“ zu betreten, das Teil des PAF Festivals ist, ist wie in einen Wirbelsturm zu geraten. Körper sind durch den Raum verteilt, manche sitzen, andere stehen, manche blicken in Gruppen in die gleiche Richtung, andere setzen sich unabhängig ab, um sich Organisationsfragen zuzuwenden. Ohne klaren Bühnenraum hat das Publikum keine andere Wahl als ebenso aktiv zu sein, wie jene, die dem Kollektiv angehören. Jedes Solo erfordert, dass wir unsere Hocker umstellen, um die Handlungsbedingungen zurückzusetzen, neu zu positionieren und neu zu organisieren. Es scheint, als wären wir alle Performende in diesem wilden Fokuswechsel.

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Interviewreihe: Tanzhybriden – Clément Layes

Mit Besen, Eimern, Kisten und Stühlen, die sich kühn und aus eigenem Antrieb bewegen, schafft Clément Layes Choreografien mit Alltagsgegenständen. Seine jüngste Recherche, „The Emergency Artist“ (2018), lässt er mit dem Hintergrund eines 90-Grad-Holzwinkels in Interaktion treten. In der Mitte des Stücks dreht sich die Konstruktion und drei Performer*innen in Schwarz erscheinen unerwartet. Ich wollte mit einem Blick ‚hinter die Kulissen‘ dem Geheimnis seiner performativen Elemente auf den Grund gehen.

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Shuffle, Repeat, Play

In der Mitte der aufsteigenden Tribünenstufen liegt die Bühne, offen und weiß. Am Boden große Holzplatten, flach wie verwahrloste Kinderfahrräder, die jeden Moment genommen und nach Belieben gefahren werden könnten. Eine Performerin, Alltagskleidung, dunkel, dreht einen Stuhl in seine aufrechte Position und setzt sich. Drei andere Performer*innen sind im Raum verstreut als wären sie per Würfelwurf auf ihren Positionen gelandet. Die Spannung ist deutlich zu spüren, als sich alle Augen auf die Performerin auf dem Stuhl richten. 

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Ohne Regeln

NAHDRAN bietet als lang angelegte Performance-Reihe Raum zum Experimentieren. Das Format featuret zahlreiche entstehende Arbeiten und ermutigt mit unverfälschter Offenheit junge Künstler, den Sprung zu wagen und ihre Ideen öffentlich zu zeigen.

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Boten der Hoffnung(slosigkeit)

Den Bewegungen Sergiu Matis und seiner Tänzer*innen zuzuschauen, wirkt ein wenig wie von einem Doppeldeckerbus gerammt zu werden – mehrere Male in Folge, innerhalb von Sekunden. Körper stürzen zu Boden oder gleiten durch die Luft, erobern den Raum in vollem Flow oder richten scharf wie eine Rasierklinge die Konzentration auf einen einzigen Finger. Jede Geste ist ein Statement und jedes Statement sitzt genau an der richtigen Stelle. Durch die sekundenschnellen Übergänge drängt sich der Charakter einer Nahtoderfahrung geradezu auf: Jede Aktion könnte die letzte sein, bevor alles zu Ende ist. Und in der ersten Szene von Matis’ dystopischem Epos „Hopeless“ war alles zu Ende – auf jeden Fall die Natur. In nüchternem, barem Setting einer postapokalyptischen Zukunft spielen die Performenden die Personen des Publikums direkt an und schauen ihnen in die Augen, während sie das Verschwinden vom Aussterben bedrohter Tierarten beschreiben. Sie scheinen aufgeladen mit wissenschaftlichen Fakten, während die drei allerdings verschiedene Versionen einer Geschichte erzählen. Möglicherweise ist dies die Gedankenlandschaft nach dem Postulat der Wahrheit, auf die wir zusteuern und in der Fiktion gleich Fakt wird.

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