Alice Heyward und Juan Pablo Cámara im Gespräch über Homopticum von Juan Pablo Cámara mit Andrey Bogush, gezeigt am 6. und 7. März 2026 in den Sophiensælen.
Weiterlesen „Optik, Taktik und Haptik im Kapitalozän “
Alice Heyward
Ein Tisch, ein Prozess, ein Witz
Gut gemacht! von und mit Antonia Baehr, Jule Flierl, Hermann Heisig und Claire Vivianne Sobottke ist eine Urteilskomödie, inszeniert als Prozess. Der komplexe Witz über die Entstehung und Bewertung von Kunst einst und jetzt war am 5. und 6. Februar 2026 im HAU2 zu sehen.
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Gemeingut
bottom up productions, ein Projekt von Julek Kreutzer und Felipe Fizkal, enthierarchisiert den zeitgenössischen Tanz. Für die Vorstellungen der Tanztage Berlin am 14. und 15. Januar 2026 in den Sophiensælen inszenierten Isabela Fernandes Santana (Choreografie) und Mariagiulia Serantoni (Tanz) O Que Resta do Fogo in einer Koproduktion mit BUP.
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Die Zeit entscheidet: Tanz als Übung oder Übung als getanztes Sujet
Sheena McGrandles Toil, in einer Erstaufführung zu sehen vom 3. bis 6. Dezember im HAU2, präsentiert Tanz als Körpertraining und disziplinierte Repetition im profanen Arbeitsmodus von Tänzer*innen.
Toil ist in erster Linie eine Komposition aus Schritten, Footwork aus der Ausbildung in diversen tänzerischen Schulen und Traditionen: Fußarbeit nach Cunningham, Tendus, Bun Kicks, Ball Changes, Chassés. Im Unterricht einstudierte und regelmäßig wiederholte Moves addieren sich über die Jahre und formen den*die Tänzer*in.
Fünf Freiberufler*innen bilden das Ensemble dieser Produktion; alle haben intensive und weit über reine Schrittarbeit hinausgehende Erfahrung in unterschiedlichen Tanztechniken. Ihre postmoderne und zeitgenössische Virtuosität gründet im bewussten Verlernen (Unlearning) der Kontrollmechanismen, die Teil der klassischen und modernen Tanztechniken sind, die sich zu Sheena McGrandles Toil fügen.
Einige Passagen demonstrieren den Wandel im Lauf der Zeit: Die Intensität der Beats lässt nach, die Tänzer*innen verlangsamen ihre Bewegung. Ihre Performance erinnert nun an die Wende in den frühen 2000er Jahren, als Körperarbeit zunehmend auf zustandsbasierte Affekte orientierte. Physisches Gewicht schwindet – durch den Raum und von einem Körper zum anderen; geometrische Formen lösen sich auf.
Doch im Zentrum von Toil steht die Fußarbeit, die Muster, die die Tänzer*innen frontal vor den Zuschauer*innen erzeugen, als wäre das Publikum der Spiegel im Atelier. Live Drums, gespielt von Steve Heather in Begleitung von Marta Forsberg an Violine und Electronics, liefern das explizite Gerüst, auf dem die Füße der Tänzer*innen Halt finden, entsprechend den Traditionen, die das Vokabular ihrer Bewegungen vorgeben. Die Zeit bestimmt sich entlang der Uhr, die das Leben steuert. Wir beugen uns dem Messinstrument. Die Tänzer*innen unterwerfen sich der dynamischen Herrschaft des Metronoms, sie halten zusammen, keine*r gibt auf. Wir erkennen die Endorphine, die im gemeinsamen Workout ausgeschüttet werden, und die Freude, die das Festhalten am vorgesehenen Prozedere bringt. Hier bestätigt sich die Feststellung, die die Choreografin Susan Rethort 2012 in ihrem Essay über die Alltäglichkeit der Übungspraxis traf: „Spaß und Disziplin sind kein Widerspruch.“
Toil assoziiert diese „Disziplin“ mit Arbeit, ebenso wie die Kostüme: Die Performer*innen tragen „Arbeitskleidung“ – Shorts und T-Shirts, mit großen Taschen. Doch weder „Arbeit“ noch die – auf sie verweisende – „Disziplin“ in und jenseits der Produktion müssen auf die erkennbaren Traditionen reduziert werden, die Toil eindeutig, sehr direkt und sehr konkret vermittelt. Selbst wenn sie für Spaß und Freude stehen. Wie und warum wir arbeiten (oder „gearbeitet“ werden) generiert die Funktion und Bedeutung eines Werks, oder das Fehlen derselben.
Hin und wieder lächeln die Künstler*innen auf der Bühne. Sie nicken einander zu oder grüßen Bekannte im Publikum. Sie sind Menschen mit einer eigenen Geschichte, Individuen, die sich in einer Gruppe zusammenfinden, sich gleichsam in ihre gemeinsame Vergangenheit fügen, verbunden nicht durch die Angst, die häufig das Training begleitet, sondern in Anerkennung von und Sehnsucht nach dem Können, das sie einst erwarben und auf das sie jetzt zurückgreifen. Dies hier ist ein Engagement. Das wissen wir. Wir sehen einen aktuellen Gig von Freelancern: Moves synchron zum Sound und anderen Performer*innen, die uralte Freude / Herausforderung des Bühnentanzes – Tanztraining im Ensemble, begleitet von energischen Beats, doch ohne die/den grausame*n, jede Regung überwachende*n Ballettlehrer*in, notorischer Auslöser traumatischer Erfahrung im Ballettsaal. Hier steuern die Tanzenden selbst, ihre Schritte zeichnen die Karte, ihr Rhythmus ist der Weg.
Es ist nett, Menschen in Bewegung zuzuschauen. Doch was will diese Show? Wo verortet sie Autor*innenschaft? Toil bestätigt etliche gängige Klischees über die Ausbildung von Tänzer*innen, und ich frage mich, trotz des Sinns für Spaß und Empathie im Team, wie diese Inszenierung die nicht-produktive Arbeit, die sie doch zeigen will, interpretiert – jenseits von Reiteration und Objektifizierung bekannter Routinen.
Übersetzung aus dem Englischen: Lilian Astrid Geese
Toil von Sheena McGrandles feierte vom 3.-6. Dezember 2026 Premiere am HAU2.
Eine totalitäre kinetische Maschine
la nef des fols (2024) von cie. toula limnaios kehrte vom 24. September bis zum 4. Oktober für ein „Heimspiel“ in ihre HALLE Tanzbühne Berlin zurück. Das Stück thematisiert die altbekannte Spannung zwischen System und Delirium.
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Flach, aber prall
Mit dem farbenfrohen Spektakel zu Chirurgie, Pflege und Affirmation MASTEKTOMIE. Ein bittersüßes Abschiedslied, kehrte CHICKS* freies performancekollektiv vom 26. bis 29. September zurück in die Sophiensæle.
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Ausgespuckt
Das SUBMERGE Festival 2025 der Lake Studios präsentierte Workshops und Performances, in denen die eingeladenen Kunstschaffenden Einblick in ihre Praxis und Projekte boten. Siegmar Zacharias zeigte I don’t want to swallow anymore am 16. August.
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Komposition als Erklärung
Reflektionen und nuancierte Portraits von Geschichte und Altern begleiteten die Reinszenierung von zwei Lucinda Childs‘ Produktionen aus den 1960er und 1970er Jahren sowie einer aktuellen Auftragsarbeit, die Dance on Ensemble vom 24. bis 27. Juli im Radialsystem zeigte.
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Teig, Stein, Sturm
Studies on Infinity #3 – Caravaggio, zu sehen am 27. und 28. Juni beim Wiesenburg Sommerfest.ival 2025. Inspiriert vom tiefen Naturalismus des Barockmalers fügt Isabelle Schads Inszenierung kollektives Körperbewusstsein in Dramenzyklen, die ohne Höhepunkt oder Auflösung auskommen.
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Ein Kleid in den Farben der Zeit
Mit Aurora und im Spiel des sich erhellenden Lichts begegnete Lina Gómez’s Tanz den Klängen von Alejandra Cárdenas (Ale Hop) und Bruno Pocheron beim soundance festival berlin 2025 am 22. Juni im DOCK 11.
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Für die müden Pferde
Weiterlesen „Für die müden Pferde“Inspiriert durch antike Runen: Dawn von Adam Seid Tahir, wurde uraufgeführt am MDT Stockholm und war im Rahmen von Making Life in the Ruins vom 23. bis 25. Mai in den Sophiensaelen in Berlin zu sehen.
Verkörperung auf Distanz
In einem bei den Potsdamer Tanztagen am 22. und 23. Mai 2025 präsentierten Auszug ihres im Master-Programm für Choreografie der HZT Berlin entwickelten aktuellen Stücks Everyone here is a bit of a horse, steuert Vera Shchelkina Begegnungen durch manuellen Kontakt.
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Volles Risiko
Am Ende ein Tanzmarathon: Mit Adam Russell-Jones‘ Performance Release the Hounds als entfesseltem Solo in der Krise schloss die 34. Ausgabe der Tanztage am 24. und 25. Januar 2025 in den Sophiensælen.
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Selbstportrait mit Eierschalen
Weiterlesen „Selbstportrait mit Eierschalen“No More Eggs for Breakfast, eine Produktion und Performance von Dalia Velandia, handelt von Eiern. Am 13. und 14. Dezember 2024 präsentierte die Absolventin des Solo Dance and Authorship (SODA) Masterprogramms des Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz ihre Abschlussarbeit in den Uferstudios.
pro re nata
Weiterlesen „pro re nata“Ania Nowaks Obelix Nutrix meditiert über die Geschichte und Gegenwart von Pflege als künstlerischem und wissenschaftlichem Akt der Fürsorge. Ihre Produktion feierte im Salzburger Kunstverein Premiere und war vom 29. bis 31. November 2024 in den Sophiensælen zu sehen.
Radiale Brechungen, nachhallende Resonanz
Weiterlesen „Radiale Brechungen, nachhallende Resonanz“Die 18. Ausgabe von POOL – MOVEMENT ART FILM Festival Berlin, 16. bis 19. Oktober 2024 im DOCK 11, präsentierte eine Hommage an die Intermedia-Ikone Phill Niblock und drei Abende mit neun kurzen Tanzfilmen von internationalen Filmkunstschaffenden.
Ein matrixiales Kontinuum
Sonya Levins PASTPARTUM, präsentiert am 7. September in der Kleinen Orangerie, erkundet den Zyklus der menschlichen Selbstschaffung durch die Schwangerschaft im Kontext von permanenter Selbstverzehrung und Selbstaufgabe.Weiterlesen „Ein matrixiales Kontinuum“
Luftschloss
Entspannend, aber spannungslos und alles andere als ein körpergewordener Traum: Alessandro Sciarronis publikumsoffener fünfstündiger DREAM (2022) bei Tanz im August am 24. und 25. August in der St. Elisabeth Kirche.Weiterlesen „Luftschloss“
Mein Beginn ist dein Finale
Last Dance | And for the time being von Ian Kaler und Stéphane Peeps Moun (19. – 21. Juli 2024, Uferstudio 14) kombiniert zwei Soli: Körperbewegungen formen die Zeit, Wort und Tanz interagieren als Stoff der Inszenierung und generieren subtile Beziehungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Subjekten.Weiterlesen „Mein Beginn ist dein Finale“
Das Zentrum ist überall, der Radius nirgends
Weiterlesen „Das Zentrum ist überall, der Radius nirgends“Am 22. und 23. Juni feierte LATE im Studio Storkower Straße 115 Premiere. In Form und Format eines (Tanz-)Balls arrangiert Juli Reinartz in dieser Produktion eine Landschaft der Koexistenz und des Wandels, um Crip Time zu erkunden: als Gleichzeitigkeit und Verschiedenheit von Körpern, die einen Raum teilen.
Ausatmen
Am 18. Juni zeigten die TANZKOMPLIZEN im Podewil in einer Preview die witzige, pädagogische und kreative Tanzinszenierung In der Luft von Tatiana Mejía und Kareth Schaffer. Die Premiere des Stücks findet am 27. September statt. Es handelt von der Mischung diverser Gase und Staubpartikel um uns herum, die wir Luft nennen, und richtet sich an Zuschauende ab sechs Jahren.Weiterlesen „Ausatmen“
Jenseits der Freude am Evidenten
Weiterlesen „Jenseits der Freude am Evidenten“Mit dem Staatsballett Berlin bringt William Forsythe drei Pionierarbeiten zurück auf die Bühne. Es ist ein Abend der lebendigen Begegnung mit Tanz als einem Prozess, der von den Tanzenden wie vom Publikum erst entschlüsselt werden muss. Auf die Premiere am 16. Februar 2024 in der Deutschen Oper folgen Vorstellungen vom 19. bis 23. Februar, 4. bis 14. März und 1. bis 9. April.
Ground Control
Im Rahmen ihrer Großausstellung The Creep (21. Oktober 2023 bis 10. Februar 2024 im E-WERK Luckenwalde) präsentierte Melanie Jame Wolf am 3. Februar 2024 mit ihrer Performance More Ballads of Outlaw Feelings ein Lebendbild der scheinbaren Unausweichlichkeit von Mustern der Macht.
Weiterlesen „Ground Control“
blau ist ein ekstatischer unfall verursacht durch vakuum und feuer
Weiterlesen „blau ist ein ekstatischer unfall verursacht durch vakuum und feuer“Am 13. und 14. Januar 2024 präsentierten die Tanztage Berlin Ewa Dziarnowska mit This resting, patience. Von 15 bis 18 Uhr schickten sie uns in den Sophiensælen auf eine Passage der Körperspannung, die sich in tänzerischen Gefühlszyklen aufbaut, bricht, entlädt und regeneriert.
Freihandel
Weiterlesen „Freihandel“Zwischen dem 1. und dem 3. Dezember 2023 präsentierte Dana Michel an drei Nachmittagen MIKE (2023) im Martin-Gropius-Bau. Die Produktion der Berliner Festspiele konstruierte einen sensiblen, toleranten und humorvollen Raum der Kontemplation und des Reflektierens über Körper und ihr Funktionieren.