„Über Überüberübermorgen“, Cécile Bally & Cathy Walsh ©Dieter Hartwig

Zeitverschiebungen

Was geschieht, wenn aus Morgen Gestern wird? Cécile Bally und Cathy Walsh erforschen in der Sciencefiction-Zeitreise “Über Überüberübermorgen” – Premiere am 6. Oktober 2022 im FELD Theater für junges Publikum – mit Allen ab 5 Jahren die Zukunft.

“Gestern, Morgen, Heute”. Ein Ball, ein Holzring, ein goldener Papierkegel. Eine neugierige Forscherin (Cécile Bally) spielt mit der Ordnung der gewählten Symbole für die Zeit. Gestern dreht sich in Heute und verschwindet in Morgen. Und während die Forscherin gespannt weiter Ball, Ring und Kegel ineinander verschachtelt, schleicht sich ein großes weißes Zifferblatt mit roten Armen und Beinen an. Die personifizierte Zeit als freche, tanzende Uhr, begleitet von rhythmischem Trommeln, beginnt mit Heute, Gestern und Morgen zu spielen. Auf Anweisung der Forscherin verwandelt sie sich in Wartezeit, Schlafenszeit, ausgedehnte Spielzeit. Wissbegierig werden Befehle kombiniert, bis die Zeit nicht mehr hinterherkommt und uns davon läuft. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit fällt die Forscherin in ein Zeitloch. Die Reise in die Zukunft beginnt. 

Der Vorhang, der den hinteren Teil der Bühne verdeckt hielt, öffnet sich und präsentiert die fantastische Umgebung des Jahres 3000. Eine grüne Landschaft und futuristische Architektur ist im Hintergrund zu sehen. Es gibt neben einem Baum, an dem die Bestandteile von belegten Broten hängen, auch Büsche, die nach Biotechnologie schmecken. Alle Farben sind knallig bunt. Während die Forscherin die Umgebung mit ihrem Zollstock erkundet, entdecken die Kinder im Publikum bereits die Gestalten der neuen Welt. “Hinter dir, dort!”, rufen sie Cécile zu. 

Wir treffen Cathy (Cathy Walsh) und Tinti (Steve Heather). Cathy hat zwei neonpinke und zwei knallgelbe Arme. Tinti ist ein schlagzeugspielender Tintenfisch-Elefant. Er hat eine Maschine, die seine für uns unverständliche Sprache in Emojis übersetzt. Die Forscherin gruselt sich nicht vor dieser ungewöhnlichen Umgebung. Voller Neugier tanzt sie mit Cathy einen Willkommenstanz und entdeckt die Möglichkeiten, die in einem Sandwichbaum stecken. Die Reihenfolge der Dinge ändern – ein leichtes Spiel. Ob es um die Zusammenstellung von belegten Broten geht, oder Untermorgen zu Übergestern wird. Mit viel Witz, Zauber und bunten Farben begibt sich “Über Überüberübermorgen” auf eine Entdeckungsreise in die Zukunft, die die Kinder im Publikum sichtlich mitreißt und amüsiert. 

Spannende Zukunftsideen werden präsentiert, als Cathy vorstellt, was es in ihrem Jetzt so alles gibt: Eine Multispezies-Disko, einen Baum, der Traurigkeit auffrisst, ein Genderkarussell. Leider stehen nur der Besuch einer riesengroßen Schlange und ein Spaghettisturm zur Wahl. Und während beide Optionen nach viel Spaß klingen, ging hier für mich die Fragestellung danach, was in 978 Jahren wirklich alles möglich sein könnte, ein wenig verloren. Interessiert hätte mich das Gedankenexperiment, die unterschiedlichsten Lebewesen zusammen feiern zu lassen oder Traurigkeit einem Baum anzuvertrauen. Aber die Kinder riefen nach der riesigen Schlange, und wir sahen sie tanzen und wabern. 

Mit dem Bau einer Zeitmaschine reisen alle drei Charaktere zusammen ins Jahr 7001. Die Entdeckung dieser fernen Zukunft geschieht jedoch erst, nachdem die Zeitreisenden nach 40 Minuten Spielzeit die Bühne verlassen. Während meine Gedanken um utopische Möglichkeiten kreisen, frage ich mich, welche Welt sich die Jüngsten im Publikum vorstellen, wenn sie heute an Überüberübermorgen denken. 


„Über Überüberübermorgen“ (5+) von Cécile Bally & Cathy Walsh feierte am 6.10.2022 Premiere im FELD Theater für junges Publikum (Gleditschstr. 5, Berlin-Schöneberg). Weitere Aufführungen bis 10.10.2022, Tickets unter jungesfeld.de.