Vier Tänzer innen halten eine Person an ihren Gliedmaßen und bereiten sie auf eine Hebung vor.
Resist Resignation, Kollektiv collapsetofraction ©Paul Theo Dreher

Widerstand überall

Als Teil des Abends Resist Resignation vom Kollektiv collapsetofraction wurden am 21. und 22. März 2026 im Theatre Pool Berlin die Stücke Revolt und Ohnmacht gezeigt, in denen wiederkehrende Anstrengung in Kämpfen gegen soziale Ungerechtigkeit verhandelt wird.

Wir stehen draußen in drei Gruppen, einander zugewandt. Tick, tack, tick, tack… Das rhythmische Ticken im Hintergrund gibt den Grundton an, etwas liegt in der Luft, etwas Dringendes, die Zeit dafür wird knapper und knapper. Aus den drei Publikumsgruppen treten die drei Tänzer*innen nacheinander in die Mitte. Ihre Bewegungen umfassen Sprünge, Werfen, Fäuste, die auf flache Hände schlagen, gegenseitiges Tragen und Schleifen. Ich sehe Unruhe, aber kein Chaos, etwas Akutes bewegt die Tänzer*innen in ihren Solosequenzen, die geschickt in unisono Chorografien übergehen. Ich beobachte die Anstrengung des Ganzen, verstärkt vom mittlerweile gut hörbaren Atem der Darsteller*innen. Trotzdem sind sie fordernd. Die Anstrengung alleine lässt sie nicht aufgeben. Am Ende des Kurzstückes werden Demoschilder in die Luft gehalten und auf dem Boden verteilt. Dabei gibt es genügend unterschiedliche Themen, von denen ich nur ein paar aufschnappen kann: „Eat the rich“, „Wer kürzt, denkt zu kurz“, „FCK NZS“…

Der zweite Teil des Abends nutzt den Theaterraum, aber auch diesen nicht im klassischen Sinne. Auch hier darf das Publikum das Geschehen auf der Bühne aus unterschiedlichen Winkeln betrachten. Das mechanische Ticken der letzten Performance stimmt wieder an. Fünf Tänzer*innen (Calvin Bernauer, Clara Nicola Blaß, Sophie Geisler, Marlene Kahl und Paula Pröbrock) gehen, laufen, im Rhythmus des etablierten Systems. Sie wirken suchend, aber zielstrebig, bewegen sich unabhängig von den anderen, aber wirken trotzdem miteinander verbunden. Eine Person müht sich dabei sichtbar ab, will aus dem geschaffenen System ausbrechen, doch wird von einer anderen Person festgehalten und mitgezerrt – die anderen bleiben von den Mühen unberührt.

Anschließend erzählen kurze Audiosequenzen von Polizeigewalt, von Wut, begrenzten Handlungsoptionen und systemischer Ungerechtigkeit. Blackout.

Ein dynamischer Teil folgt, hier erkenne ich Bewegungen aus der ersten Performance wieder. Fäuste landen auf Händen, Sprünge und Wurfbewegungen werden ausgeführt. Spannende Solos enden in Gruppenchoreografien. Immer wieder landen einzelne Tänzer*innen auf dem Boden. Ich spüre die Erschöpfung im Raum.

Trotzdem wird sich immer wieder gegenseitig geholfen, durch Hochheben und Tragen nach gemeinsamem Fallen. Bis nicht mehr getragen – ertragen – werden kann und sich eine Person vom hinteren Bühnenrand stürzt. Auch getrauert wird gemeinsam, der Schmerz geteilt, von Person zu Person getragen, gehoben, geschoben, aufgerichtet und mitgenommen, auf eine sanfte und führsorgliche Art, die berührend und mitreißend ist. Vielleicht, weil gerade das die Momente sind, die ich im Alltag oft vermisse.

Ruhige Sequenzen wechseln dynamische Teile ab, beide in gleichermaßen überzeugender Ausdrucksstärke. Auch wenn alle Tänzer*innen als Individuen ihre eigenen Entscheidungen treffen, fungieren sie als Teil eines größeren Ganzen. Schließlich sind sie „together in this“ und müssen ihre „Entscheidungen weise wählen“ um sich nicht entmutigen zu lassen – resist resignation.


Resist Resignation vom Kollektiv collapsetofraction wurden am 21. und 22. März 2026 im Theatre Pool Berlin gezeigt.