NOT (SO) HUMAN von Christine Saulut Bonansea kreiert eine dystopische Welt über KI und Augmentierung, begleitet von Luca Forcuccis Soundlandschaft und Riccardo Castagnolas Projektionen. Das Stück spielt vom 16. bis 19. April 2026 im DOCK 11.
Es ist dunkel. Wage erkenne ich ein seilähnliches Gebilde, das in der Mitte des Raumes vom Boden bis zur Decke ragt. Beats ertönen, Geräusche von schlagenden Ketten und klirrendem Metall; Lichter flackern. Mit dem nächsten Knall zuckt die Person vor mir zusammen. Ich bin in den Bann gezogen von der Audiolandschaft, gleichzeitig hat das Ganze etwas Unheimliches. Projektionen an den Wänden mit etwas Feuerähnlichem tauchen auf und verschwinden. Ich fühle mich verstärkt in eine Parallelwelt befördert, die etwas Dystopisches vermittelt. Langsam erkenne ich Körperteile in der Mitte des Raumes, sie stapeln sich übereinander, fallen zu Boden und richten sich wieder auf. Die Bewegungsqualität mit den vielen Isolationen, die dieses Körpergebilde sehr unmenschlich wirken lassen, faszinieren mich.
Durch das Halbdunkel nehme ich eine Kreatur wahr, halb Mensch, halb – was genau bin ich mir noch nicht sicher. Die Kreatur trägt eine Maske mit Sonden oder Fühlern und ist mit einem Seil mit etwas verbunden oder an etwas gekettet. Ist es eine Nabelschnur oder sind es Gedärme, nein, das wäre zu menschlich; ist es ein übergroßes Kabel, verbunden mit einem Computer, der die Kreatur steuert? Ist die Kreatur davon gefangen oder freiwillig hier? Verbogene Körperteile, tapsende Bewegungen, kopfüber bewegt sich das Gebilde, bis es zum Stehen kommt – auch stehend sehe ich noch keine menschliche Figur. Stroboskoplicht unterbricht das Geschehen, atmende Gebilde sind auf den Projektionen zu sehen, immer wieder gibt es Blackouts. Wir bekommen kleine Einblicke in die Lebensrealität der Kreatur auf der Bühne, fragmentierte, aneinandergereihte Szenen lassen die Bewegungen im Dunkeln nachhallen.
Die Bewegungsqualität ändert sich und zum ersten Mal empfinde ich die Kreatur als menschlich. Neue verhältnismäßig ‚schöne‘ Bewegungsmuster mit hohen Beinbewegungen bilden einen Kontrast zu den vorherigen ‚monströsen‘ Bewegungsqualitäten. Das Ganze erscheint mir zu ‚normal‘ und ich vermisse die ausdrucksstarke Qualität von vorhin. Immer wieder wird an dem Seil gezogen und es auf den Boden geschlagen, die musikalische Untermauerung nimmt zu und spätestens bei den erneuten Stroboskoplichtern fühle ich mich reizüberflutet. Beim nächsten Schlag zuckt die Person vor mir wieder zusammen.
Die Person-Kreatur windet sich mit Mühen aus der Maske heraus. Dann beginnt ein neuer Bewegungsteil auf Bodenebene, in dem die Tänzerin mit Rollen und Drehungen den ganzen Bühnenraum einnimmt. Das Gesicht der Darstellerin sehe ich zum ersten Mal beim Applaus.
Im Nachgang suche ich in der Stückbeschreibung eine Triggerwarnung für Stroboskoplichter und andere Effekte und finde keine. Ich denke über KI, Augmentierung und das dystopische Gebilde auf der Bühne nach. Wie wäre es, wenn Mensch und Maschine eins wären und der Mensch sich in einer ausführenden, abhängigen Position wiederfindet? Gibt es einen Teil davon auch schon hier und jetzt?
Zufrieden mit meinem Text, ganz ohne KI, den damit verbundenen enormen Wasserverbrauch und die gelegentlichen von der KI erfundenen Facts verfasst, höre ich auf zu schreiben. Aber was, wenn der Artikel noch viel besser geworden wäre, mit etwas KI-Unterstützung…
NOT (SO) HUMAN von Christine Saulut Bonansea feierte vom 16. bis 19. April 2026 Premiere im DOCK 11.