Am 8. und 9. Mai 2026 präsentierte das seit 2022 von Manuel Meza kuratierte Against the Grain Performance Festival im Theaterforum Kreuzberg sieben kurze Tanzprojekte.
Nach der Vorstellung der von Manuel Meza produzierten und kuratierten sieben Tanz-Performances kommt they selbst auf die Bühne. Wir erfahren, dass das Festival reine „Herzenssache“ ist: They liebt das Projekt, für das es keine Zuschüsse gibt und dessen Realisierung sich enorm aufwändig gestaltet. Ich studiere den Programmzettel und stelle überrascht fest, dass Meza auch für Licht und Ton verantwortlich zeichnet, und überdies eines der Stücke choreografierte. „Es geht nicht anders“, sagt they. Als Absolvent*in zweier renommierter Tanzschulen, die viele Türen geöffnet hätten, sei dies quasi „Pflicht“. Tatsächlich können nur die wenigsten freischaffenden Tanzenden von ihrer Kunst allein leben. Vor Vorstellungsbeginn und in der Pause belausche ich diverse Gespräche, vermutlich ebenfalls professionell Tanzende: Sie erzählen von den drei Jobs, mit denen sie jonglieren oder berichten, dass sie weniger als den Mindestlohn verdienen.
Die Tatsache, dass Meza selbst fünf Rollen bei einem Festival übernehmen muss, zeigt, wie schwierig es ist, in der freien Szene zu überleben. Als unabhängige Choreografin bin auch ich gewohnt, bei meinen Produktionen multiple Aufgaben zu erfüllen und permanent an meine physischen und psychischen Grenzen zu gehen, häufig ohne adäquate finanzielle Vergütung. Es macht mich traurig, wenn ich sehe, dass viele meiner Freund*innen in der Freelance-Performancekunst mit Ende Dreißig ausgepowert und müde sind, oder sich nur noch nach Stabilität sehnen.
Beobachte ich nun die jugendliche Präsenz und die durchtrainierten, eloquent tanzenden Körper bei Mezas Festival, fällt mir vor allem das famose Engagement der Performenden auf. Marcel Casablanca, im schwarzen Samtkleid, mit großem, grauen Sonnenhut, ergeht sich in dramatischen Gesten zu Rodrígo Cuevas‘ Song Rambalín, eine Reminiszenz an den 1976 ermordeten schwulen Varietekünstler Rambal. Arturo Lugo bewegt sich als Fledermaus durch sich wandelnde Klanglandschaften, die mit dem tickenden Geräusch der Fledertiere eröffnen und in Club-typische Bässe münden. In Ilaw („Licht“ auf Tagalog) performen Ann Francis Ang und Christina Beunaflor dynamisch und fokussiert in einem Mix aus dem traditionellen philippinischen Folkloretanz Pandanggo sa Ilaw, bei dem auf Kopf und Händen Kerzen balanciert werden, und Waacking.
Mir kommt der Brief in den Sinn, den ich kürzlich an eine Freundin schrieb, eine Tänzerin, mit der ich mich häufig über die Möglichkeit, „andere Geldquellen“ im Interesse unserer finanziellen (und mentalen) Sicherheit aufzutun, austausche. Ich erinnerte an unsere Jugendtage, als wir unsere Träume mit Hingabe, Hoffnung und Liebe verfolgten, und zitierte aus Eileen Myles Text „The Poet“:
Ich wurde Dichterin, weil es das Erste war, was ich wirklich liebte. Es war ein Akt des Willens. […] Ich stolperte über die Idee von der Reinheit des Herzens. So würde ich bekommen, was ich wollte. Nur eine Sache begehren, das war die Überlegung. Ich wusste, dass ich das konnte. Ich wusste bereits, was ich wollte. Weitermachen wie bisher, doch anerkennend, dass es wahr war. Es war richtig, weiterzumachen, nichts anderes zu wollen als das. Endlich fühlte ich mich frei. Nun war mein Leben ein Traum. Mein Traum.
Später erzähle ich meiner Freundin vom Festival. Sie will sich nächstes Jahr bewerben, denn sie möchte nach wie vor Produktionen nicht nur wegen des Geldes realisieren, sagt sie. Ich bin gerührt und einen Augenblick lang regt sich in meinem Herzen noch einmal diese romantische Liebe zum Tanz, die mir schon lange verloren ging.
Übersetzung aus dem Englischen von Lilian Astrid Geese
Against the Grain, kuratiert von Manuel Meza, wurde am 8. und 9. Mai 2026 im Theaterforum Kreuzberg präsentiert.