Homecoming, QUEER PERFORMANCE FESTIVAL ©Beliza Buzollo

Berlin als queeres Zuhause?

Das Queer Performance Festival findet vom 12.-16. November statt. Stimmen aus der queeren Community berichten in diesem Artikel über Homecoming – The Grand Showcase, das am 15. November das Theater im Delphi belebt.

Queere Räume in Berlin sind spärlich. Vorhandene sind von Schließung bedroht und immer wieder Angriffen ausgesetzt. Queere Performances finden häufig auf kleinen Bühnen statt, nicht aber das Queer Performance Festival. Hier zeigen verschiedene Künstler*innen und Kollektive ihre Arbeit und Empowern das Publikum – auf der von einem Beton(regen)bogen umrahmten Bühne. Ein ganzes Wochenende mit Workshops und Performances von und für die queere Community in Berlin, das ist genug Grund zum Feiern.

Dieser Artikel entsteht aus dem Gespräch mit zwei Personen aus dem Publikum und soll so Stimmen aus der Community wiedergeben:

Spoken Word Einlagen, Strips und Pole Dance Nummern, Livegesang, Mediale Installationen und natürlich … Drag, das alles und noch mehr hat The Grand Showcase zu bieten. Themen wie Zuhause und Belonging, Palästina und Polizeigewalt, Kapitalismuskritik und Freund*innenschaften werden unterhaltsam und tiefgründig zugleich von diversen Stimmen aus der Community auf die Bühne gebracht. Nur wundern wir uns über die fehlenden bekannten Gesichter, denen wir sonst an queeren Orten über den Weg laufen, und über die teilweise verhaltene Atmosphäre im Publikum. Liegt es am fancy Prenzlauer Berg, am Theater als steifen Raum mit gesetzten Verhaltensregeln oder vielleicht sogar an den unbequemen Stühlen (wobei die doch eher zum Aufstehen und Mittanzen einladen würden)?


©Beliza Buzollo


Nach dem Abend bleiben viele Eindrücke und zu wenig Zeit, um die Tiefe der einzelnen Performances in Gänze zu verdauen. Besonders berührt hat uns die musikalische Darbietung von Lilly Mortis und die grazilen und sanften Bewegungen an der Pole Stange von Robyn Robin, die zusammen ein Plädoyer für Freund*innenschaft kreieren. Damit erinnern sie daran, dass in Zeiten in denen Angst, Vereinzelung und Spaltung überhand zu nehmen drohen, Gemeinschaft nicht nur eine individuelle Ressource ist, sondern auch eine politische Kraft sein kann.

Drag King Buba Sababa bringt einprägsame Bilder auf die Bühne: Er bedient sich mit vollen (und bloßen) Händen an Spagettis und Pizza. „Money, Success, Fame, Glamour“, alles wird in sich reingestopft. Und so sehr verkörpert, dass am Ende nichts anderes mehr existieren kann. Das Performance Kollektiv Slut Riot bewegt mit Live-Gesang und einer Doppel-Pole Nummer, nackt, verletzlich, einfühlsam und vor allem stark. Viele weitere trans*, nicht-binäre, queere Performer*innen machen den Abend besonders, darunter Zenergy, Jota Kayodê Ramos, Dornika, Eddy Entropy, Dianna Jacksan, Cat Jones, Aurah Jendafaaq, Lucio Vidal, Magic Dyke und Godxxx Noirphiles.

Etwas, das sich die größere darstellende Szene von queeren Künstler*innen abgucken kann, ist der direkte Kontakt zum Publikum. Die vierte Wand wird nicht etwa ab und zu in einem gewagten Unterfangen aufgebrochen um Zuschauende wie Darstellende unangenehm zu berühren. Die vierte Wand existiert auf der queeren Bühne quasi nicht. Das Publikum wird vom passiven Betrachter*in zum aktiven Mitgestalter*in. Hier sind die Gefühle und Ausdrücke des Publikums genauso wertvoll, wie jene der Darsteller*innen. 

Eine gewagte Idee: Vielleicht überdenken wir das mit der Hochkultur nochmal und gehen stattdessen das nächste Mal in ein Drag-Musical.


Homecoming – The Grand Showcase wurde am 15.11.2025 im Theater im Delphi im Rahmen des Queer Performance Festival gezeigt. Das Festival fand vom 12.-16.11.2025 statt.